Auf jeder Kreuzfahrt gibt es eine Pflichtaufgabe: Die Seenotrettungsübung. Dabei lernt man das Anlegen der Rettungsweste und seine Musterstation, also den Sammelplatz, zu dem man im Notfall gehen soll, kennen. Vor dem Untergang der Costa Concordia war das eher ein -zumindest bei AIDA- Animationsevent, bei dem es darum ging die Übung den Gästen so angenehm und spaßig wie möglich zu machen. Da wurde geschunkelt und gesungen usw. Nach der Costa Concordia Katastrophe, war das dann plötzlich eine sehr ernst genommene Sache, bei der niemand lachen durfte. Zusätzlich wurden da dann die Hinweise (zum Beispiel welches Signal ist für Gäste relevant-ist übrigens nur der General-Alarm, also sieben kurze und ein langer Ton) in mehreren Sprachen wiederholt. Mittlerweile elf Jahre nach der Katastrophe ist die Übung immer noch Pflicht. Allerdings ist die Stringenz und Ernsthaftigkeit ein bisschen verloren gegangen. Mittlerweile reicht es -zumindest bei MeinSchiff- ohne Rettungsweste zur Musterstation zu gehen. Eigentlich bekommt man dort die entsprechenden Hinweise und gezeigt wie man eine Weste anzieht. Unsere Musterstation ist diesmal im Theater. Dort angekommen wird die Bordkarte gescannt, und man soll dann im Theater auf die Hinweise warten. Soweit so normal.
Stefan hält sich immer an alle Regeln. Er stellt sich auch immer überall an. Keine Ahnung warum. Könnte ja Bananen geben, oder so. Aber ich schweife ab.
Umso überraschter bin ich, dass Stefan vorschlägt das Theater über den zweiten Ausgang direkt wieder zu verlassen und uns die „Hinweise“ zu ersparen. Ich lerne immer wieder neue Facetten an ihm kennen. Heute: Stefan-the Outlaw!
Heute auf dem Weg nach Istanbul ist Seetag. Alle, die den Blog schon länger verfolgen, fragen sich jetzt: „Gibt es denn da keine Neuauflage der Stefan-und-Jens Seetagschallenge?“ Genau das habe ich auch Stefan gefragt. Er ist aber wegen der -für unsere Verhältnisse- kurzen Tour dagegen.
Deshalb startet heute die No Challenge-Challenge. Die Regeln sind einfach. Ich sorge dafür, dass wir an einer Challenge teilnehmen und Stefan kriegt davon nichts mit. Er will gerne ins Fitnessstudio, um zum ersten Mal nach seinem 100 Meilen Lauf entlang der Berliner Mauer wieder ein bisschen Sport zu machen. 100 Meilen sind übrigens 162,1 Kilometer. Joggen. Am Stück. Auch während der Nacht. Mit Kopflampe. In unter 24 Stunden, damit er eine Gürtelschnalle als Belohnung bekommt. Der ist verrückt.
So gehen wir beide ins Fitnessstudio. Der 100 Meilen-Mann und ich. Der nachdem er mit seinem Bruder einen Stepper zwei Etagen hochgetragen hat, Sterne sieht und ein Sauerstoffzelt braucht. Hier eine Vergleichbarkeit herzustellen, scheint unmöglich.

Das Fitnessstudio ist relativ voll. Stefan entscheidet sich deshalb für die Rudermaschine und ich nehme den Ergometer daneben. Nach dreißig Minuten Fahrrad fahren habe ich 233 Kalorien verbrannt. Stefan schafft in derselben Zeit 393 Kalorien und gewinnt somit die No Challenge-Challenge.


Da er aber ja nichts davon weiß, und er ja viel fitter als ich ist, küre ich mich heimlich zum Sieger der Herzen.
Nachdem wir unseren Landgang in Istanbul geplant haben, genießen wir in der Lounge die Einfahrt in die Dardanellen, eine zur Türkei gehörende Meermenge im Mittelmeer, die als Tor zum schwarzen Meer gilt.
Wir ist jetzt nur bedingt richtig. Stefan scheint das Rudern derart erschöpft zu haben, dass er in der Lounge schläft.


Die Dardanellen sind auch deshalb interessant, da hier die (der entsprechenden Sage namensgebende) Stadt Troja vermutet wird.




