Wer das eine will, muss das andere mögen.

Wer das eine will, muss das andere mögen.

Afrika. Genauer gesagt Südafrika und Namibia sind das Ziel unser heute gestarteten Kreuzfahrt mit AIDAstella. Traumhafte Natur, eine völlig andere Kultur und irgendwie eine ganz andere Welt. Das sind zumindest meine Erwartungen. Die Vorfreude ist somit groß. Die Kehrseite der Medaille ist die Anreise. Südafrika ist scheinbar echt weit weg. Wir fliegen von Düsseldorf knapp über sechs Stunden nach Dubai. Das wir diesen Flug mit meinen Lieblingsflugzeug Typ (einem Airbus A380) bestreiten, ist nur ein geringer Trost.

Stefan (der mich natürlich wieder begleitet) und ich steigen dann in Dubai in eine Boing 777-300. Damit fliegen wir dann über neun Stunden weiter nach Kapstadt.

Die insgesamt knapp 16 Stunden Flugzeiten stellen einen neuen Rekord für mich da.

Einer meiner Chefs aus meiner Rheinland-Pfalz Zeit hatte ein Sprichwort für diese Situation: „Wer das eine will, muss das andere mögen.“

Das trifft auf vieles zu. Zum Beispiel: Wenn man Grönland will, muss man halt mögen, dass Dänemark und Europa, dass halt Kacke finden.

Aber ich schweife ab. Die lange Flugzeit mit keinem Schlaf ist hart. Aber wer das eine will, muss das andere mögen.

Deshalb bleibt der Blog von heute kurz. Ich muss ins Bett. Ab morgen gibt es ausführliche Berichte zu unser Reise in Afrika.

Warum die gute Hoffnung nicht vom Winde verweht wird (Kapstadt/Südafrika)

Warum die gute Hoffnung nicht vom Winde verweht wird (Kapstadt/Südafrika)

Nachdem das dringendste Bedürfnis nach Schlaf befriedigt wurde, geht es heute auf die erste Tour in Kapstadt. Diese haben wir über Get-your-Guide gebucht. Unsere reizende Reisebegleiterin Sylvie holt uns am Cruise Terminal ab.

Von da geht es zum Tafelberg. Die Tickets für die Seilbahn sind diesmal nicht im Paket dabei. Darüber waren wir im Vorfeld informiert. Sylvie empfehlt uns allerdings auch die Tickets für die weiteren geplanten Highlights (Pinguine am Boulder Beach und das Kap der guten Hoffnung) online im Vorfeld zu buchen. Darüber waren wir nicht informiert. Das digital nicht zwingend schnell und definitiv nicht zwingend unkompliziert bedeutet, ist uns ja schon seit dem Roadtrip durch Österreich bekannt.

In Südafrika können sie „kompliziert.“ Das wir gestern beim Geld umtauschen am Flughafen locker 15 Minuten brauchen, da alles dreifach dokumentiert (digital und in Papierform) und dann mehrfach abgestempelt werden muss, hätte man als ersten Hinweis verstehen können.

Hier allerdings digital Tickets zu kaufen, kommt eher einer Steuererklärung gleich. Zunächst braucht man natürlich ein Kundenkonto, bei dem man mit Ausnahme der Schuhgröße eigentlich alle persönlichen Daten angeben muss.

Dann muss man wissen welches Ticket man für welche Attraktion zu welchen Zeitpunkt buchen will. Die zwar vorhandene Suchfunktion ist keine Hilfe, da sie keine relevanten Ergebnisse liefert. Sylvie hat allerdings entsprechende Links für uns, die dann zum Ziel führen.

Das Bezahlen mit der Kreditkarte kommt einem Glücksspiel gleich, da die Karte scheinbar nur jedes dritte Mal akzeptiert wird.

Die gesamte Prozedur dauert ewig. Um nicht allein zu verzweifeln, bilden wir spontan eine Selbsthilfegruppe. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

So verbringen wir einen Großteil der Wartezeit an der Seilbahn mit Aufregen, sich gegenseitig Mut zu sprechen und dem Feiern von Erfolgen bei der Buchung.

Der Tafelberg ist aber das erwartete Highlight. Hier muss man gewesen sein.

Wir genießen die Aussicht bei blauem Himmel, Sonne und absoluter Windstille. Das ist auch deshalb erwähnenswert, da gestern die Seilbahn wegen zu starken Windes gar nicht gefahren ist.

Umso überraschter sind wir, als wir beim nächsten Fotostopp im wahrsten Sinne fast wegfliegen. Der Tafelberg grenzt an die Atlantikseite von Kapstadt. Wir sind jetzt auf der Seite des indischen Ozeans und hier ist Wind. Richtig viel Wind. So viel Wind, dass in Deutschland vermutlich die Schulen vorsorglich geschlossen würden. Hier scheinbar normal.

Aufgrund meiner über Jahre aufgebauten Körperfett-Reserven, gelingt es mir, den Kontakt zum Boden Aufrecht zu halten. Aber es ist echt krass.

Das es in unmittelbarer Nähe zwei derartig unterschiedliche Wetter Phänomene gibt, fasziniert mich.

Auch beim Besuch der echt süßen frei lebenden Brillenpinguinen ist der Wind eine Herausforderung. Der Sand führt in Verbindung mit diesem Wind zu einer Sandstrahlung aller nicht geschützten Körperteile.

Am Kap der guten Hoffnung hat der Wind ein bisschen ein Einsehen.

Einer meiner Hoffnungen (viele wild lebende Tiere zu sehen) geht heute direkt (über die Pinguine hinaus) in Erfüllung. Wir entdecken am Kap nämlich eine Pavian Familie und einen einzelnen Strauß. Abgerundet wird der Eindruck von den vielen Seelöwen, die hier auf den Felsen liegen.

Ich bin begeistert. Stefan teilt meine Begeisterung bestimmt, kann sie nur nicht so zeigen.

Als wir uns entschließen zum Leuchtturm zu wandern anstelle den Shuttlebus zu nehmen, scheint er allerdings besänftigt.

Die Aussicht zum Kap der guten Hoffnung ist beeindruckend.

Das Kap hat seinen Namen übrigens um die Hoffnung auf einen Seeweg nach Indien zu symbolisieren, und wurde zu einem Wahrzeichen für Aufbruch und Handel, obwohl die Passage wegen heftiger Stürme berüchtigt blieb. 

Gute Hoffnung können wir aus meiner Sicht gerade in den aktuellen stürmischen (weltpolitischen) Zeiten gut gebrauchen. Deshalb ist es gut, dass die gute Hoffnung zumindest heute bei uns nicht vom Winde verweht wurde.

Robben Island ohne Robben (Kapstadt/Südafrika)

Robben Island ohne Robben (Kapstadt/Südafrika)

Nach dem wir gestern mit den Online Tickets ja unsere liebe Mühe hatten, ziehen wir heute ganz analog los. Wir gehen vom Schiff zu Fuß zur Waterfront und kaufen dort am Schalter Tickets für den Katamaran, der uns zur Robben Island bringt.

Haltet mich für verrückt, aber ich fand den Old-School Weg echt einfach und unkompliziert.

Auf Robben Island sehen wir Kormorane und Pinguine, aber keine Robben und das ist voll ok.

Die Insel hat Ihren Namen zwar wegen der vielen Robben in Form von Seelöwen. Berühmt, berüchtigt und sehenswürdig ist sie aber wegen einer anderen Tatsache.

Lange Zeit war sie Heimat eines Gefängnis für politische Gefangene während des Apartheidsregimes. So war auch Nelson Mandela 18 Jahre lang hier inhaftiert.

Heute ist sie eine Museums-Insel, auf der man das ehemalige Gefängnis besichtigen kann und genau das machen wir auch.

Die Tour beginnt mit einer Bustour über die Insel. Dabei bekommt man die Unterkünfte der Gefängniswärter und die Funktionsräume wie z.B. die Arztpraxis zu sehen. Dieser Teil begeistert Stefan und mich nur bedingt. Das liegt insbesondere daran, dass der Busguide zumindest mit meinen überschaubaren Englischkenntnissen nur schwer zu verstehen ist. Zusätzlich ist der Lautsprecher in unserer Nähe mehr kaputt als ganz und verzehrt jedes dritte Wort. Das macht es jetzt nicht einfacher.

Im zweiten Teil durch das Gefängnis wechselt der Guide und Dede begleitet uns jetzt.

Das macht die Tour zu einem Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Einerseits weil sein Englisch deutlich besser zu verstehen ist und andererseits weil er als ehemaliger Häftling Zeitzeuge ist. Er gibt uns einen so realistischen Einblick in den Gefängnis-Alltag, dass es kaum zu ertragen ist,

Als er beschreibt, wie Gefangene auf die Holzpritsche geschnallt mit der Peitsche für angebliches Fehlverhalten bestraft wurden, stockt seine Stimme und ich habe einen riesigen Kloß im Hals.

Zum Abschluss bekommen wir die Einzelzelle von Nelson Mandela zu sehen.

Nach Rückkehr zum Festland zeigen sich uns beim Aussteigen doch noch einige Seelöwen.

Aber so gerne ich ja wildlebende Tiere sehe. Das war heute zweitrangig.

„Wer hat diese Scheiße erfunden?“ oder warum Schriftgröße 6 keine Hilfe ist (1. Seetag)

„Wer hat diese Scheiße erfunden?“ oder warum Schriftgröße 6 keine Hilfe ist (1. Seetag)

Heute ist Seetag eins von fünf auf dieser Tour. Das bedeutet auch, Stefan und ich haben Zeit das Schiff und die Angebote auf dem Schiff zu erkunden.

Als Informationsmedium dient dazu klassischer Weise die AIDA Heute, die tägliche Schiffszeitung mit allen Infos und Angeboten. Aufgrund der Fülle der AIDA Angebote wurde die Zeitung bisher im DIN A3 Format gedruckt und zur Verfügung gestellt.

Vermutlich um Kosten zu sparen und als Beitrag zur Nachhaltigkeit, wird die AIDA Heute mittlerweile im DIN A4 Format gedruckt. Also nur noch halb so groß.

Blöd ist allerdings, dass AIDA zwar das Format verkleinert hat, aber trotzdem alle Informationen weiterhin abdruckt. Die Lösung von AIDA ist gleichermaßen einfach wie auch nicht hilfreich. Sie verringern einfach die Schriftgrösse. Das Ergebnis ist, dass man die Schrift faktisch nicht mehr lesen kann.

Jetzt sind meine Augen in meinem biblischen Alter nicht mehr die Besten. Grüße gehen an den Optiker meines Vertrauens raus. Wir müssen da wohl was neues machen, ich komme demnächst mal vorbei.

Unabhängig davon, bin ich überzeugt, dass auch junge Augen mit Schriftgröße sechs Probleme hätten. Oder, wie Stefan es ausdrückt: „Wer hat diese Scheiße erfunden?“

Alternativ besuchen wir heute die abendliche Show des sehr witzigen Entertainment Manager Dennie. Irgendwie müssen wir uns ja informieren.

Kapitän links / Entertainment Manager rechts

Seetag bedeutet aber auch Zeit für eine Neuauflage der Stefan-und-Jens-Seetag-Challenge. Die Regeln sind einfach. Wir denken uns abwechselnd kleine Aufgaben aus und treten dann gegeneinander an. Der Gewinner bekommt einen Punkt. Wer am Ende der Reise mehr Punkte hat, gewinnt die Challenge.

Heute geht es um die Blinddates bei der Kunstauktion. Dort gibt es nämlich immer Bilder, die verdeckt versteigert werden, so dass man erst nach der Versteigerung weiß, um welches Kunstwerk es überhaupt ging.

Unsere Aufgabe ist es nun zu schätzen, für wieviel Kohle, dass erste Blinddate versteigert wird.

Stefan liegt mit 230 EUR nur zehn EUR unter dem Verkaufspreis und geht somit 1:0 in Führung.

Der von mir erfundene WLT-Index, also der „Wild-lebende Tierarten-Index“ steigt mit der Sichtung von Delphinen auf dieser Tour auf sieben. Bisher waren es Salamander, Pavian, Strauß, Seelöwe, Pinguin und Kormoran.

Morgen geht es von Port Elisabeth aus zur Safari. Von daher hoffe ich morgen über eine weitere Steigerung berichten zu können.

King Elvis Safari (Port Elisabeth/Südafrika)

King Elvis Safari (Port Elisabeth/Südafrika)

In Port Elisabeth (oder wie es jetzt eigentlich offiziell heißt, in Gqeberha) angekommen, machen wir uns auf die Suche nach unserem heutigen Ausflugsanbieter. Obwohl wir den Ausflug über Get-Your-Guide gebucht haben, kümmert sich vor Ort eine andere Agentur um die Durchführung. Wir finden den Stand von Into Tours und steigen zusammen mit sechs anderen AIDA Gästen in den Kleinbus von King Elvis, unserem Tourguide. Ein echter Glücksgriff wie sich zeigen wird.

Dann fahren wir zum Addo Elephant Park, dem drittgrößten Nationalpark in Südafrika. Welches Tier sehen wir somit als erstes? Richtig! Einen Kaffernbüffel.

Der Büffel gehört neben dem Nashorn, dem Geparden, dem Löwen und (überraschender Weise) dem Elefanten zu den Big Five.

Nicht zu den Big Five gehören die super coolen Warzenschweine, die wir als zweites zu Gesicht bekommen. Insbesondere die vielen Ferkel sind super süß. Im Addo Elephant Park stellen sie übrigens die größte Gruppe von Tieren.

Deutlich vor den Elefanten. So gesehen müsste der Park eigentlich umbenannt werden. Obwohl sie beim Stadtnamen dort viel Energie investieren, damit der von den englischen Besatzern gewählte Name weg kommt, sind sie beim Park hier eher defensiv unterwegs. Mein Eindruck ist: Die Warzenschweine werden hier benachteiligt. Scheint Ihnen aber egal zu sein.

Zugegebener Weise die Elefanten sind auch sehr cool.

Und sie interessieren sich für uns Menschen und unsere lauten Autos mal so überhaupt nicht. Wir kommen deshalb super nah an die Elefanten ran, ohne, dass es sie zu stören scheint. Manchmal laufen sie so nah an unserem Kleinbus vorbei, dass man sie fast berühren könnte. Machen wir aber lieber nicht.

King Elvis erweist sich nicht nur als Super-Guide, sondern auch als Elefanten Flüsterer. Er positioniert das Auto so, dass eine Gruppe Elefanten direkt auf unser Auto zuläuft. Super cool. Bis sie näher kommen und voll auf unser Auto zu halten. Ich stelle mir kurz die Frage, was passiert wenn sie nicht den Kurs ändern. Hält so ein Kleinbus Dach einen Elefanten aus?

Zielsicher haben sie dann aber ca. einen halben Meter vor unserer Stoßstange die Straße gekreuzt.

Mit den Elefanten endet unsere Sichtung der Big Five. Nashörner, Geparden und Löwen zeigen sich uns nicht. Das finde ich ganz ok so. Klar hätte ich alle drei auch noch gerne gesehen. Das man aber nicht immer alle sieht und es deshalb natürlich keine Garantie gibt, beweist, dass es eben wild lebende Tiere sind.

Außerdem zeigen sich uns viele andere spannende Tiere, die halt nicht zu den Big Five gehören. Zebras, verschiedene Antilopenarten, Strauße, Grünmeerkatzen, Paviane und Schakale.

Laut King Elvis ist die Sichtung einer Hyäne etwas ganz besonderes, da man diese wohl nur super selten zu sehen bekommt.

King Elvis bereitet uns eine sehr gelungene Safari, die mir als absolutes Highlight in Erinnerung bleiben wird. Selbst Stefan, der bekanntlich eher im Fanclub „Tote Steine“ ist, muss zugeben, dass die Safari ganz cool war. Ein in Bezug auf lebende Dinge sehr seltener Gefühlsausbruch.