Trotz drohendem Streik und den, durch den Iran-Krieg verursachten Kerosin-Mangel hebt der Airbus A320 von Eurowings fast pünktlich in Richtung Rom ab.
An Bord die über die Grenzen Duisburgs bekannten Milchschnitten. Unser Kneipenquiz Team, das zumindest im Finkenkrug gefürchtet ist. Diesmal in folgender Besetzung unterwegs.
von links nach rechts: Sascha, Christian, Mariette, Herr Jensemann und Alex
Meine Nachbarn Mariette und Christian (die maßgeblichen Einfluss auf die Erfolge beim Quiz hatten) sind dabei.
Auch dabei ist mein Bruder Sascha. Seines Zeichens promovierter Theologe. Seine dadurch vorhandenen Sprachkenntnissen in Latein und Altgriechisch könnten im Römischen Reich hilfreich sein. Dass er im Flugzeug einen Mitreisenden im perfekten Denglisch erklärt, dass er zu seinem „Ruck-Zack“ möchte, lassen mich an den allgemeinen Sprachkenntnissen allerdings kurz zweifeln.
Unsere super coole Ferienwohnung ist nur ein Katzensprung vom Petersdom entfernt.
Da hat meine Schwägerin Alex, die natürlich auch dabei ist, etwas echt Gutes ausgesucht. Neben der Lage (man kann die Kuppel des Petersdoms vom Balkon aus sehen) ist die Einrichtung auch echt top.
Dann beim Einkaufen passiert es. Ich stolpere und reiße mir dabei die Adduktoren komplett ab. So ist zumindest – als bekennender Hypochonder – meine Selbstdiagnose. Neben Serge Gnabry werde also auch ich bei der anstehenden Fußball Weltmeisterschaft nicht mitspielen können.
Auf dem Rückweg nutzen wir noch die Chance den Petersplatz bei Nacht und gleichzeitig in echt leer zu genießen.
Echt cool.
So geht ein erster sehr schöner Abend in Rom (mit Ausnahme der Zerrung – ja, ist vermutlich nur eine Zerrung und nicht so schlimm) zu Ende.
Heute beginnt der Tag mit Besuchen von verschiedenen Kirchen. Hätte man in Rom drauf kommen können. Über die Details kann mein Haustheologe, also mein Bruder, logischer Weise noch viel besser berichten, als ich.
Den Beitrag des heutigen Tages schreibt somit er. Ihr findet den Beitrag in seinem Reisetagebuch:
Nach Redaktionsschluss für den Blog von gestern, sind noch einige Dinge passiert, die die Überschrift des heutigen Berichts maßgeblich beeinflusst haben.
Christian und ich haben gestern Abend die Möglichkeit genutzt, uns während eines Ligaspiels das berühmte Stadio Olimpico anzuschauen. Immerhin wurde Deutschland 1990 hier zum dritten Mal Weltmeister und Kaiser Franz ging nach dem Schlusspfiff gedankenverloren und ganz allein über den Platz.
Auf den Platz durften wir zwar nicht, aber (fast) allein waren wir gestern beim Heimspiel von Lazio Rom (gegen Udinese) auch. In dem Stadion finden über 70.000 Leute Platz. Gestern waren wir 2 von 4.000 Besuchern.
Die meisten Lazio Fans streiken nämlich zur Zeit, weil sie unzufrieden mit dem Präsidenten des Clubs sind. In Bezug auf die Stimmung war es somit schlimmer als es aussieht. Christian und ich haben das 3:3 allerdings trotzdem genossen und bereuen unseren Wechsel der Religion vom Katholizismus zum Fußball für den einen Abend nicht.
Mariette, Alex und Sascha haben den Abend nicht dem Fussball aber dafür dem Alkohol gewidmet. So deute ich zumindest Saschas Bild in unserem Gruppenchat.
„Es ist schlimmer als es aussieht.“ So hat Sascha die Szene beschrieben.
Das trifft somit nicht nur auf die Stimmung im Stadion zu.
Nach einer kurzen Nacht geht es heute in den Peters-Dom. Unsere Taktik getreu dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ geht auf. Nach minimaler Wartezeit an der Sicherheitskontrolle betreten wir den Peters-Dom.
Mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Menschen gehört die Basilika St.Peter (so die offizielle Bezeichnung) zu den größten Kirchen der Welt. Und echt schön ist sie auch. Schöne Kirchen können sie. Das muss man den Katholiken lassen.
Bezaubert von den Eindrücken entschließen wir uns spontan auch noch der Kuppel einen Besuch abzustatten.
Hier müssen wir allerdings feststellen, dass der frühe Vogel zwischenzeitlich scheinbar tot ist. Vermutlich von der langen Warteschlange, in die wir uns einreihen, aufgefressen.
Als wir dann an der einen Kasse bei dem einen Mitarbeiter (für Hunderte Interessierte) Tickets für den Aufzug gekauft haben, geht es endlich aufwärts. Der Aufzug fährt allerdings nur bis zur durchaus auch sehenswerten Innenkuppel.
Um auf die Aussenkuppel zu gelangen, muss man jetzt allerdings noch 321 Stufen nehmen.
Auch hier bekommt die Erkenntnis von gestern eine zusätzliche Bedeutung. Es ist schlimmer als es aussieht.
Beschaffenheit der Baumaterialien, Breite und Neigungswinkel der Stufen stellen eine Herausforderung dar.
Oben angekommen, werden wir aber mit einem malerischen Ausblick über Rom belohnt.
Nach ausgiebiger Siesta (wir sind schließlich im Süden) gehen wir dann noch in die Vatikanischen Museen, um von dort in die Sixtinische Kapelle zu gelangen. Die Kapelle ist echt cool. Leider darf man dort keine Fotos machen, woran wir uns vielleicht gehalten haben. Zumindest werden keine hier veröffentlicht. Die Führung durch die vatikanischen Museen – auf für mich schwer zu verstehendem Englisch und in schlechter Übertragungsqualität – hätte ich jetzt nicht gebraucht.
Der Tag heute beginnt wieder früh. Der entsprechende frühe Vogel scheint wiederbelebt oder ist gar auferstanden. Das würde zum Ort hier ja irgendwie passen.
Heute besuchen wir nämlich die Generalaudienz von Papst Leo, oder wie die Italiener ihn liebevolle nennen „Papa Leone.“ Die Idee haben wir nicht exklusiv. Entgegen meiner Erfahrungen im Stadion, werden beim Vatikan die Besucherzahlen nicht am gleichen Tag veröffentlicht. Ich tippe: Echt viele.
Trotzdem ergattern wir einen guten Platz, von dem wir Papa Leone ganz gut sehen können.
Die Audienz ist ganz cool, auch wenn mich die Wiederholung desselben Inhalts in insgesamt neun Sprachen kurz an die Sendung mit der Maus erinnert.
„Heilige“ haben wir auch gestern schon viele gesehen. Die meisten tot. Manche waren trotz dieses Details gut sichtbar in Glassärgen ausgestellt. Fand ich eher gewöhnungsbedürftig. Auch in Form von Statuen gibt es hier Heilige ohne Ende. Manche wirken auch noch erstaunlich frisch.
Wen er hier so als Schutzheiliger beschützt, war nicht zu ermitteln.
Ob ich als Heiliger taugen würde, ist zu bezweifeln. Aber wenn, dann sicherlich als Schutzheiliger für die von mir erfundene und gelebte Kombination von Wandern und Busfahren.
Diesem Gedanken folgend, gelingt es mir die Mitreisenden zu überzeugen, ein Busticket zu kaufen und so die Wanderung zu den nächsten Highlights zu verkürzen.
So geht es dann zur „Schreibmaschine“ weiter.
Wie ich vor Ort erfahre, handelt es sich dabei um die Volksmund-Bezeichnung des Monumento a Vittorio Emanuele, eines monumentalen Nationaldenkmals. Wie man hier auf die Assoziation zu einer Schreibmaschine kommt, erschließt sich mir nicht. Die Aussicht ist trotzdem toll.
Während Sascha und Alex den Aufstieg nach ganz oben wagen, machen Christian, Mariette und ich Pause.
Auf der sicherlich fünfzig Meter langen Steinmauer erwische ich genau die einzig nasse Stelle. Meine Hose sieht somit jetzt so aus. Ich kann meine Begeisterung nicht in Worte fassen.
Obwohl die Hose aufgrund der für April recht starken Sonne schnell trocknet, gehen Mariette, Alex, Christian und ich nach dem Trevi Brunnen, der spanischen Treppe und dem Besuch des supercoolen Stadtteils Trastevere nicht mehr mit zum Abendgebet der Gemeinschaft Sant’ Egidio, das heute als „Gebet mit den Heiligen“ in der Basilica di Santa Maria in Trastevere gehalten wird.
Sascha geht somit alleine und verdienst sich aus meiner Sicht den Platz als Statue.
Der frühe Vogel kann uns mal. Heute haben wir ausnahmsweise keinen frühen Termin und fahren deshalb erst um kurz vor zehn mit dem Bus zu San Clemente.
Was das ist? Natürlich eine Kirche. Das besondere ist, dass diese Kirche auf einer anderen älteren Kirche gebaut ist.
Diese wiederum auf einem noch älteren Tempel. Alle schön übereinander. Das coole ist, dass man alle drei besuchen kann. Das ist schon krass.
Vielen Dank an Jessi für die Empfehlung.
Dann geht es weiter. Wohin? Richtig – zur nächsten Kirche. Jetzt geht es um die Erzbasilika San Giovanni in Laterano, wo der Papst früher mal seinen Sitz hatte. Auch schön.
Damit haben wir jetzt immerhin zwei der sieben Hauptkirchen (die jeder Pilger mal besucht haben sollte) geschafft. Da wir ja im klassischen Sinne keine Pilger sind, finde ich das ganz ok.
Insgesamt gibt es in Rom über 900 Kirchen. Potential wäre somit durchaus noch vorhanden. Bei dem Spiel möglichst viele Kirchen zu besuchen steigen wir jetzt aber aus um uns einer anderer Form eines historischen „Spiels“ zu widmen.
Beim Besuch des beeindruckenden Kolosseums erfahren wir während der Führung viel über die damals wirklich grausamen Spiele. Mann gegen Mann, Frau gegen Frau oder Mann oder Frau gegen wildes Tier. Meistens mit dem Ausgang, dass nur einer überlebt. Das die Arena mit Sand ausgelegt war um das viele Blut aufzusaugen, schockiert den kleinen Jungen, der mit uns die Führung besucht.
Beim Forum Romanum gibt es etwas weniger Schockierendes, aber keineswegs weniger Beeindruckendes.
Auch der Palatin-Hügel – einer der sieben Hügel Roms und der Ort, an dem die römischen Kaiser ihre monumentalen Palastanlagen errichten ließen, ist definitiv beeindruckend.
So geht eine sehr beeindruckende, aber auch anstrengende Reise zu Ende.