Nachdem das dringendste Bedürfnis nach Schlaf befriedigt wurde, geht es heute auf die erste Tour in Kapstadt. Diese haben wir über Get-your-Guide gebucht. Unsere reizende Reisebegleiterin Sylvie holt uns am Cruise Terminal ab.

Von da geht es zum Tafelberg. Die Tickets für die Seilbahn sind diesmal nicht im Paket dabei. Darüber waren wir im Vorfeld informiert. Sylvie empfehlt uns allerdings auch die Tickets für die weiteren geplanten Highlights (Pinguine am Boulder Beach und das Kap der guten Hoffnung) online im Vorfeld zu buchen. Darüber waren wir nicht informiert. Das digital nicht zwingend schnell und definitiv nicht zwingend unkompliziert bedeutet, ist uns ja schon seit dem Roadtrip durch Österreich bekannt.

In Südafrika können sie „kompliziert.“ Das wir gestern beim Geld umtauschen am Flughafen locker 15 Minuten brauchen, da alles dreifach dokumentiert (digital und in Papierform) und dann mehrfach abgestempelt werden muss, hätte man als ersten Hinweis verstehen können.

Hier allerdings digital Tickets zu kaufen, kommt eher einer Steuererklärung gleich. Zunächst braucht man natürlich ein Kundenkonto, bei dem man mit Ausnahme der Schuhgröße eigentlich alle persönlichen Daten angeben muss.

Dann muss man wissen welches Ticket man für welche Attraktion zu welchen Zeitpunkt buchen will. Die zwar vorhandene Suchfunktion ist keine Hilfe, da sie keine relevanten Ergebnisse liefert. Sylvie hat allerdings entsprechende Links für uns, die dann zum Ziel führen.

Das Bezahlen mit der Kreditkarte kommt einem Glücksspiel gleich, da die Karte scheinbar nur jedes dritte Mal akzeptiert wird.

Die gesamte Prozedur dauert ewig. Um nicht allein zu verzweifeln, bilden wir spontan eine Selbsthilfegruppe. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

So verbringen wir einen Großteil der Wartezeit an der Seilbahn mit Aufregen, sich gegenseitig Mut zu sprechen und dem Feiern von Erfolgen bei der Buchung.

Der Tafelberg ist aber das erwartete Highlight. Hier muss man gewesen sein.

Wir genießen die Aussicht bei blauem Himmel, Sonne und absoluter Windstille. Das ist auch deshalb erwähnenswert, da gestern die Seilbahn wegen zu starken Windes gar nicht gefahren ist.

Umso überraschter sind wir, als wir beim nächsten Fotostopp im wahrsten Sinne fast wegfliegen. Der Tafelberg grenzt an die Atlantikseite von Kapstadt. Wir sind jetzt auf der Seite des indischen Ozeans und hier ist Wind. Richtig viel Wind. So viel Wind, dass in Deutschland vermutlich die Schulen vorsorglich geschlossen würden. Hier scheinbar normal.

Aufgrund meiner über Jahre aufgebauten Körperfett-Reserven, gelingt es mir, den Kontakt zum Boden Aufrecht zu halten. Aber es ist echt krass.

Das es in unmittelbarer Nähe zwei derartig unterschiedliche Wetter Phänomene gibt, fasziniert mich.

Auch beim Besuch der echt süßen frei lebenden Brillenpinguinen ist der Wind eine Herausforderung. Der Sand führt in Verbindung mit diesem Wind zu einer Sandstrahlung aller nicht geschützten Körperteile.

Am Kap der guten Hoffnung hat der Wind ein bisschen ein Einsehen.

Einer meiner Hoffnungen (viele wild lebende Tiere zu sehen) geht heute direkt (über die Pinguine hinaus) in Erfüllung. Wir entdecken am Kap nämlich eine Pavian Familie und einen einzelnen Strauß. Abgerundet wird der Eindruck von den vielen Seelöwen, die hier auf den Felsen liegen.

Ich bin begeistert. Stefan teilt meine Begeisterung bestimmt, kann sie nur nicht so zeigen.

Als wir uns entschließen zum Leuchtturm zu wandern anstelle den Shuttlebus zu nehmen, scheint er allerdings besänftigt.

Die Aussicht zum Kap der guten Hoffnung ist beeindruckend.

Das Kap hat seinen Namen übrigens um die Hoffnung auf einen Seeweg nach Indien zu symbolisieren, und wurde zu einem Wahrzeichen für Aufbruch und Handel, obwohl die Passage wegen heftiger Stürme berüchtigt blieb. 

Gute Hoffnung können wir aus meiner Sicht gerade in den aktuellen stürmischen (weltpolitischen) Zeiten gut gebrauchen. Deshalb ist es gut, dass die gute Hoffnung zumindest heute bei uns nicht vom Winde verweht wurde.