Der Block dieser Tour ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Blog meines Bruders. Wir werden uns beim Schreiben abwechseln. Der Bericht von heute ist hier zu finden:
Die heutige Etappe beginnt mit einem guten Frühstück und einem sehr netten Plausch mit unserem Gastgeber John (Adrinane House B&B). Er geht mit uns gedanklich schon mal die heutige Etappe durch und macht uns neugierig auf eine tolle Aussicht und empfiehlt uns ein Café für eine Pause.
Nach ca. 5 Kilometern erreichen wir die Burgruine Minard. Wir müssen John zustimmen. Die Aussicht hier ist wirklich malerisch.
Als wir dann nach ca. 10 Kilometern zu dem besagten „Café“ kommen, teile ich John‘s Einschätzung allerdings nicht mehr. Das „Café“ erinnert eher an einen Tankstellen-Shop ohne Tankstelle. Aufgrund der fehlenden Alternative und da ich immer sehr für Pausen mit der Möglichkeit zum sitzen bin, nutzen wir das Angebot. Allerdings fällt unsere Wahl auch aufgrund von kaum Alternativen auf Schoko-Riegel und Cola.
Dann wird der Weg scheiße. Also im wahrsten Sinne des Wortes besteht der Weg jetzt oft aus verschiedenen Schichten von Schaf- und Kuhscheiße.
Landschaftlich gibt es relativ konstant einen tollen Weitblick auf Kerry (die nächste Halbinsel). Dort liegt auch die Insel, auf der Luke Skywalker laut Star Wars sein Exil verbracht hat (siehe gelber Pfeil).
Und dann sterbe ich fast. Und obwohl mich meine Füße umbringen, hat es damit gar nichts zu tun. Bei ca. 20 Kilometern taucht Dingle (endlich) in der Ferne auf. Von dem Ziel in der Ferne fasziniert, habe ich mal wieder in die falsche Richtung beim Straße überqueren geguckt. Linksverkehr und ich. Der Fahrer kann noch rechtzeitig bremsen und ich komme mit dem Schreck davon.
Gestern habe ich einen sehr schönen (und trockenen) Tag in Dingle verbracht. Mein Highlight war das durchaus sehenswerte Ozeanwelt Aquarium Dingle.
Meine Entscheidung gestern nicht zu wandern und meinen Füßen eine Pause und der Regenjacke viele Liter Regen zu ersparen, trifft nicht auf das Verständnis aller. Muss es ja auch nicht.
Dass ich aber durch mein „Nicht-Wandern“ scheinbar den Wandergott verärgert habe, war mir nicht klar. Ich bekomme auf jeden Fall heute morgen die Quittung. Bei den Vorbereitungen auf die heutige Etappe übersehe ich den Schaukelstuhl und hämmere mit dem linken Fuß dagegen. Jetzt tut der Fuß zumindest auch mal von oben weh.
Dann starten wir die heutige Etappe. Stefan verlässt uns aber relativ schnell wieder, um einen Zusatzweg zu gehen. Er ist halt mit der normalen Etappe nicht ausgelastet. An einer Lagune inklusive schönem Sandstrand verlassen mich auch Sascha und Christian.
Sie nehmen hier den Zusatzweg, um die Landzunge mitzunehmen, die laut Wanderführer eine (noch) schönere Aussicht verspricht. Und die Fotos, die Sascha mir nachträglich zur Verfügung gestellt hat, sind tatsächlich beeindruckend.
Ich kenne ja aber meine Füße und laufe deshalb ein Stück allein weiter auf dem klassischen Weg. Die anderen werden mich schon wieder einholen.
Unsere Wandertruppe funktioniert. Oft läuft man zu zweit und unterhält sich. Die Themen unterscheiden sich dabei je nach Gesprächspartner sehr. Mit Christian unterhalte ich mich oft über Fußball, was auch daran liegt, dass die anderen beiden so gar keine Ahnung davon haben und auch schlichtweg gar kein Interesse. Mit Stefan geht es um mögliche weitere Kreuzfahrten. So diskutieren wir zum Beispiel relativ lange, ob eine Antarktis Kreuzfahrt ein sinnvolles Projekt ist. Mit meinem Bruder Sascha sind die möglichen Themen vielfältig. Er war schließlich schon immer da (zumindest seit ich mich erinnern kann). Diesmal geht es unter anderem aber um die Neuverfilmung von „Ein Colt für alle Fälle.“ Unserer absoluten Lieblingsserie, als wir Kinder waren.
Das „Alleine-Wandern“ ist ganz anders. Man ist mit seinen Gedanken allein. Ich nehme auch den Weg ganz anders wahr. Das liegt natürlich auch daran, dass ich jetzt selber auf die Wegmarkierung achten muss. Die kleinen gelben Schilder des Dingle-Ways habe ich bisher nur nebenbei wahrgenommen, da Christian oder Stefan ja immer dabei waren und mir den Weg gewiesen haben.
Ich laufe also allein, als ich ein interessantes Haus und einen noch interessanten Vorgarten entdecke. Ein Reisewohnmobil und ein Mini -Wohnwagen, der als Küche dient, stehen im als kleines Café umgewandelten Vorgarten.
Ich betrete das Ballincolla Base Camp Tóg SOS und lerne den Besitzer Daniel kennen. Wie sich herausstellt ist Daniel Deutscher und vor drei Jahren aus Berlin nach Irland ausgewandert. Daniel ist super nett und wir quatschten über Gott und die Welt, bis meine drei Wandergefährten auch ankommen. Ein bisschen erinnert mich Daniel an Peter Lustig aus der Fernsehserie „Löwenzahn.“
Nicht so lustig ist, dass wir noch einige Kilometer zu wandern haben. Deshalb verabschieden wir uns von Peter alias Daniel und gehen weiter.
Dann erreichen wir den Strand. Die anfängliche Euphorie angesichts des Stand-Flairs weicht relativ schnell der Erkenntnis, dass Laufen im Sand relativ anstrengend ist. Da macht es es jetzt auch nicht besser, dass wir die komplette, Kilometer lange Bucht umwandern müssen.
Die Küste bietet aber wirklich tolle Ausblicke.
Der Weg will aber nicht enden. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir unsere heutige Unterkunft.
Je nachdem bis wo man laufen will (bis zum Ende der offiziellen Etappe nach Castlegregory, bis nach Camp -unser Startpunkt- oder bis nach Tralee -Stefans Startpunkt-) sind es bis zu 50 km, die heute zu bewältigen sind.
Am Ende müssen alle in Tralee ankommen, da hier unser heutiges Hotel (The Ashe) ist. Zumindest teilweise müssen wir alle somit heute Taxi oder Bus fahren. Außer Stefan, der hätte die gesamte Strecke natürlich grundsätzlich im Tank. Er entscheidet sich aber aus gruppendynamischen und versorgungstechnischen Gründen (Man stelle sich vor er verpasst eine Mahlzeit) dagegen.
Meine Überlegungen gehen in eine andere Richtung. Wenn wir sowieso Taxi fahren, warum dann nur teilweise? Da die letzte Etappe mit hunderten von Höhenmetern in Bezug auf meinen Zustand gut mit dem Titel „Das Tal der Schmerzen“ beschrieben werden könnte, entscheide ich mich für die 37 km über die Straße mit dem Taxi.
Der Weg (der meistens parallel zur Straße verläuft) fliegt somit heute am Beifahrerfenster nur so an mir vorbei. Die anderen haben mir aber Bilder zur Verfügung gestellt, die nicht durch die Autofahrt verwackelt sind.
Beim Stadtrundgang durch das ganz schnuckelige Tralee klappt es besser mit dem Fotografieren.
Nach dem Stadtbummel setze ich mich in ein Café und genieße die Kunst einer richtig guten irischen Straßenmusikerin.
Durch die gewonnene Zeit obliegt es jetzt mir das Gesamtfazit der Tour zu schreiben.
Gestern Abend war im Pub kein Tisch mehr für uns frei. Somit haben wir eine an beste Jugendherbergszeiten erinnernde Zimmerparty gefeiert. Dabei haben wir uns einen kleinen Unterkunftscheck vorgenommen. Los geht‘s!
Tolle Zimmer, sehr schöner Ausblick, cooler Vermieter inklusive nettem Hund, der auf Kommando die Zähne fletscht. Gutes Frühstück.
5 von 5 Sterne
House Ardinane in Annascaul (2x Doppelzimmer)
Zimmer und insbesondere Badezimmer sind eher klein, super netter Vermieter, eigenes Wohnzimmer für Gäste, welches wir zum Champions League gucken genutzt haben. Frühstück top.
Sehr zentrale Lage, edles Ambiente, normale Zimmergrösse und Einrichtung
4,5 von 5 Sterne
Kommen wir zum Fazit der Tour. Dieses trägt Stefan zu Ehren den Titel: „Alles Schnulli“
Sascha, Christian und ich waren ja schon mehrfach zusammen wandern und kennen die Eigenheiten der jeweils anderen.
Stefan hat sich mühelos in die Gruppe eingefügt und hat die Gruppe mit seiner unendlichen Kondition und der Bereitschaft unzählige Zusatzwege zu gehen um die Gesamtkilometer der Gruppe hoch zu halten, bereichert. Auch war er jederzeit bereit alles irgendwie Essbare (auch von allen Anderen) aufzuessen um für gutes Wetter zu sorgen, oder wie Sascha es beschreibt: „Hin und Zurück. Die Geschichte vierer Wanderer. Ein Hobbit war – essenstechnisch – auch dabei.“
Stefan‘s teils sehr kontroverse Einstellung z.B. zu Wanderausrüstung hat den Horizont der restlichen Gruppenmitglieder erweitert.
So hat seine Definition von Dingen, die man für eine Woche Wandern in Irland braucht (Rasierer ja, Wanderstöcke nein) zu Verwunderung bei uns anderen geführt.
Stefan hat auch keine Regenhose oder gar Gamaschen dabei. Darauf angesprochen antwortet er stets: „Alles Schnulli“
So geht eine Woche mit interessanten Begegnungen mit Einheimischen, wunderschöner irischer Landschaft, wechselhaften (also für Irland gutem) Wetter und wirklich tollen Wandergefährten zu Ende.