Von Dingle nach Dunquin (22,4 km) – Oder: Es gibt kein schlechtes Wetter. Doch!
Heute schreibt wieder Sascha. Seinen Bericht findet Ihr hier:
https://saschafluechter.de/reisetagebuch/2024/05/02/es-gibt-kein-schlechtes-wetter-doch/

Heute schreibt wieder Sascha. Seinen Bericht findet Ihr hier:
https://saschafluechter.de/reisetagebuch/2024/05/02/es-gibt-kein-schlechtes-wetter-doch/

Gestern habe ich einen sehr schönen (und trockenen) Tag in Dingle verbracht. Mein Highlight war das durchaus sehenswerte Ozeanwelt Aquarium Dingle.




Meine Entscheidung gestern nicht zu wandern und meinen Füßen eine Pause und der Regenjacke viele Liter Regen zu ersparen, trifft nicht auf das Verständnis aller. Muss es ja auch nicht.
Dass ich aber durch mein „Nicht-Wandern“ scheinbar den Wandergott verärgert habe, war mir nicht klar. Ich bekomme auf jeden Fall heute morgen die Quittung. Bei den Vorbereitungen auf die heutige Etappe übersehe ich den Schaukelstuhl und hämmere mit dem linken Fuß dagegen. Jetzt tut der Fuß zumindest auch mal von oben weh.
Dann starten wir die heutige Etappe. Stefan verlässt uns aber relativ schnell wieder, um einen Zusatzweg zu gehen. Er ist halt mit der normalen Etappe nicht ausgelastet. An einer Lagune inklusive schönem Sandstrand verlassen mich auch Sascha und Christian.

Sie nehmen hier den Zusatzweg, um die Landzunge mitzunehmen, die laut Wanderführer eine (noch) schönere Aussicht verspricht. Und die Fotos, die Sascha mir nachträglich zur Verfügung gestellt hat, sind tatsächlich beeindruckend.



Ich kenne ja aber meine Füße und laufe deshalb ein Stück allein weiter auf dem klassischen Weg. Die anderen werden mich schon wieder einholen.
Unsere Wandertruppe funktioniert. Oft läuft man zu zweit und unterhält sich. Die Themen unterscheiden sich dabei je nach Gesprächspartner sehr. Mit Christian unterhalte ich mich oft über Fußball, was auch daran liegt, dass die anderen beiden so gar keine Ahnung davon haben und auch schlichtweg gar kein Interesse. Mit Stefan geht es um mögliche weitere Kreuzfahrten. So diskutieren wir zum Beispiel relativ lange, ob eine Antarktis Kreuzfahrt ein sinnvolles Projekt ist. Mit meinem Bruder Sascha sind die möglichen Themen vielfältig. Er war schließlich schon immer da (zumindest seit ich mich erinnern kann). Diesmal geht es unter anderem aber um die Neuverfilmung von „Ein Colt für alle Fälle.“ Unserer absoluten Lieblingsserie, als wir Kinder waren.
Das „Alleine-Wandern“ ist ganz anders. Man ist mit seinen Gedanken allein. Ich nehme auch den Weg ganz anders wahr. Das liegt natürlich auch daran, dass ich jetzt selber auf die Wegmarkierung achten muss. Die kleinen gelben Schilder des Dingle-Ways habe ich bisher nur nebenbei wahrgenommen, da Christian oder Stefan ja immer dabei waren und mir den Weg gewiesen haben.
Ich laufe also allein, als ich ein interessantes Haus und einen noch interessanten Vorgarten entdecke. Ein Reisewohnmobil und ein Mini -Wohnwagen, der als Küche dient, stehen im als kleines Café umgewandelten Vorgarten.



Ich betrete das Ballincolla Base Camp Tóg SOS und lerne den Besitzer Daniel kennen. Wie sich herausstellt ist Daniel Deutscher und vor drei Jahren aus Berlin nach Irland ausgewandert. Daniel ist super nett und wir quatschten über Gott und die Welt, bis meine drei Wandergefährten auch ankommen. Ein bisschen erinnert mich Daniel an Peter Lustig aus der Fernsehserie „Löwenzahn.“

Nicht so lustig ist, dass wir noch einige Kilometer zu wandern haben. Deshalb verabschieden wir uns von Peter alias Daniel und gehen weiter.
Dann erreichen wir den Strand. Die anfängliche Euphorie angesichts des Stand-Flairs weicht relativ schnell der Erkenntnis, dass Laufen im Sand relativ anstrengend ist. Da macht es es jetzt auch nicht besser, dass wir die komplette, Kilometer lange Bucht umwandern müssen.
Die Küste bietet aber wirklich tolle Ausblicke.





Der Weg will aber nicht enden. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir unsere heutige Unterkunft.

Heute schreibt wieder Sascha:
https://saschafluechter.de/reisetagebuch/2024/05/04/poetik-der-koenigsetappe/

Heute steht der letzte Tag auf dem Dingle-Way an.

Je nachdem bis wo man laufen will (bis zum Ende der offiziellen Etappe nach Castlegregory, bis nach Camp -unser Startpunkt- oder bis nach Tralee -Stefans Startpunkt-) sind es bis zu 50 km, die heute zu bewältigen sind.
Am Ende müssen alle in Tralee ankommen, da hier unser heutiges Hotel (The Ashe) ist. Zumindest teilweise müssen wir alle somit heute Taxi oder Bus fahren. Außer Stefan, der hätte die gesamte Strecke natürlich grundsätzlich im Tank. Er entscheidet sich aber aus gruppendynamischen und versorgungstechnischen Gründen (Man stelle sich vor er verpasst eine Mahlzeit) dagegen.

Meine Überlegungen gehen in eine andere Richtung. Wenn wir sowieso Taxi fahren, warum dann nur teilweise? Da die letzte Etappe mit hunderten von Höhenmetern in Bezug auf meinen Zustand gut mit dem Titel „Das Tal der Schmerzen“ beschrieben werden könnte, entscheide ich mich für die 37 km über die Straße mit dem Taxi.
Der Weg (der meistens parallel zur Straße verläuft) fliegt somit heute am Beifahrerfenster nur so an mir vorbei. Die anderen haben mir aber Bilder zur Verfügung gestellt, die nicht durch die Autofahrt verwackelt sind.






Beim Stadtrundgang durch das ganz schnuckelige Tralee klappt es besser mit dem Fotografieren.




Nach dem Stadtbummel setze ich mich in ein Café und genieße die Kunst einer richtig guten irischen Straßenmusikerin.

Durch die gewonnene Zeit obliegt es jetzt mir das Gesamtfazit der Tour zu schreiben.
Gestern Abend war im Pub kein Tisch mehr für uns frei. Somit haben wir eine an beste Jugendherbergszeiten erinnernde Zimmerparty gefeiert. Dabei haben wir uns einen kleinen Unterkunftscheck vorgenommen. Los geht‘s!

Hotel Blooms in Dublin (2x Doppelzimmer)
Normale Hotelzimmer, Lage sehr zentral, Frühstück noch ok, kostenloser Gutschein für die hoteleigene Bar, Rezeption 24 h besetzt
3 von 5 Sterne

Camp Junction B&B in Camp (2x Doppelzimmer)
Tolle Zimmer, sehr schöner Ausblick, cooler Vermieter inklusive nettem Hund, der auf Kommando die Zähne fletscht. Gutes Frühstück.
5 von 5 Sterne

House Ardinane in Annascaul (2x Doppelzimmer)
Zimmer und insbesondere Badezimmer sind eher klein, super netter Vermieter, eigenes Wohnzimmer für Gäste, welches wir zum Champions League gucken genutzt haben. Frühstück top.
5 von 5 Sterne

Dingle Harbour Lodge in Dingle (4-Bett Zimmer)
Großes Zimmer, Betten teilweise durchgelegen, sehr nette und super hilfsbereite Mitarbeitende, Frühstück ok
4 von 5 Sterne

An Portan in Dunquin (2x 2 Betten Bungalow)
Eigener Bungalow toll, Einrichtung schon älter. Türen verzogen, Frühstück gut.
4 von 5 Sterne

Coil an Róis in Feohanagh (2x Doppelzimmer)
Sehr abgelegen (kein Pub in der Nähe) Super netter Gastgeber inklusive Fahrservice zum Pub. Frühstück sehr gut.
5 von 5 Sterne

O‘Connors Guesthouse in Cloghane (1x 3-Bett Zimmer und 1x Einzelzimmer)
Zimmer sind in schlechtem Zustand (Abfluss, Lampen und Lüfter sind defekt) Frühstück muss gesondert bestellt und bezahlt werden.
2 von 5 Sterne

Hotel The Ashe in Tralee (2x Doppelzimmer)
Sehr zentrale Lage, edles Ambiente, normale Zimmergrösse und Einrichtung
4,5 von 5 Sterne
Kommen wir zum Fazit der Tour. Dieses trägt Stefan zu Ehren den Titel: „Alles Schnulli“
Sascha, Christian und ich waren ja schon mehrfach zusammen wandern und kennen die Eigenheiten der jeweils anderen.
Stefan hat sich mühelos in die Gruppe eingefügt und hat die Gruppe mit seiner unendlichen Kondition und der Bereitschaft unzählige Zusatzwege zu gehen um die Gesamtkilometer der Gruppe hoch zu halten, bereichert. Auch war er jederzeit bereit alles irgendwie Essbare (auch von allen Anderen) aufzuessen um für gutes Wetter zu sorgen, oder wie Sascha es beschreibt: „Hin und Zurück. Die Geschichte vierer Wanderer. Ein Hobbit war – essenstechnisch – auch dabei.“
Stefan‘s teils sehr kontroverse Einstellung z.B. zu Wanderausrüstung hat den Horizont der restlichen Gruppenmitglieder erweitert.
So hat seine Definition von Dingen, die man für eine Woche Wandern in Irland braucht (Rasierer ja, Wanderstöcke nein) zu Verwunderung bei uns anderen geführt.
Stefan hat auch keine Regenhose oder gar Gamaschen dabei. Darauf angesprochen antwortet er stets: „Alles Schnulli“
So geht eine Woche mit interessanten Begegnungen mit Einheimischen, wunderschöner irischer Landschaft, wechselhaften (also für Irland gutem) Wetter und wirklich tollen Wandergefährten zu Ende.
Wir sind zum wandern im Stubaital. Wie letztes Jahr und dem Jahr davor. Warum wir immer ins Stubaital fahren und dafür die wirklich lange Anfahrt in Kauf nehmen? Weil es hier einfach so schön ist. Obwohl wir jetzt zum dritten Mal in Folge hier hin fahren, ist nicht alles wie immer. Mirco als allwissender Wanderführer, der jede Tour hier schon mehrfach gemacht hat und Gisi der unermüdliche und dabei stets entspannte Wanderkollege sind natürlich wieder dabei. Aber wir sind diesmal zu viert. Allerdings darf der Name unseres Neuzugangs nicht genannt werden. Nein, es ist nicht Voldemort! Der Name bleibt also geheim. Auch ansonsten darf ich nicht viel über ihn schreiben. Vielleicht nur so viel: Die Sicherheitslage dieser Wandergruppe ist durch unseren Neuzugang deutlich sicherer geworden! Da ich aber nicht immer von „Neuzugang“ sprechen will, nenne ich ihn einfach „Helmut.“ Helmut ist echt nett und passt gruppendynamisch super in unsere Truppe. Einen Nachteil hat seine Anwesenheit aber. Habe ich bei den bisherigen Wanderungen immer einen sicheren dritten Platz (von drei Teilnehmern) erreicht, ist der Bronzerang jetzt definitiv weg. Peter alias Helmut ist nämlich deutlich fitter als ich. Was zugegebener Weise nicht besonders schwierig ist. Das ist aber kein Problem für mich und Frank alias Peter.
Na schon verwirrt? Ich verspreche das wird noch schlimmer.
Wir starten die erste Wanderung zur Starkenburger Hütte. Die Tour haben wir zu dritt auch schon letztes Jahr gemacht. Damals mussten wir uns allerdings auf die Aussage von Mirco verlassen, dass es dort eine tolle Aussicht gibt. Durch massiven Nebel haben wir nämlich letztes Jahr als Michael alias Frank noch nicht dabei war mal überhaupt nichts gesehen. Das ist dieses Jahr besser.






Konditionell sind wir mal wieder mit echt unterschiedlichen Voraussetzungen unterwegs. Während Mirco, Gisi und Kevin alias Michael echt fit sind und mit einer Anmut , die mich an Steinböcke erinnert, quasi die Steigungen hinauf fliegen, erinnern meine Aufstiegsbemühungen eher eine Galápagos-Riesen Schildkröte. Ich bin langsam und muss immer mal wieder eine Pause zum Atmen einlegen.

Jetzt sind nicht alle Wege zwingend geeignet für Schildkröten. Das ist mittlerweile auch Mirco klar. Deshalb nehmen die drei Steinböcke den einen oder anderen Zusatzweg, während ich extrem langsam den klassischen Weg nehme.
Am Ende werden es 17,5 Kilometer und 500 Höhenmeter in der Schildktötenwertung sein. Die Steinböcke haben vermutlich mehr.
Lothar alias Kevin bietet zwischenzeitlich sogar an, sich auf mein Tempo runter zu bremsen, damit ich nicht alleine gehen muss. Ich lehne dankend ab und wir treffen uns ja auch immer wieder, da Steinböcke nunmal schneller sind, als Schildkröten.

Heute ist es soweit. Ich kehre nach Mordor zurück. Alle, die sich jetzt fragen warum Mordor in Österreich liegt, empfehle ich den Blogeintrag „Warum Mordor in Österreich liegt“ in der Kategorie „Wandern im Stubaital 2021.
Ich bin ein bisschen nervös als ich aus dem Auto steige. Die ungewöhnliche Stille der anderen deute ich so, dass auch sie von einer gewissen Anspannung erfasst sind. Der, dessen Namen nicht genannt werden darf, ist der Einzige, der nicht weiß was ihn erwartet. Auch die Mantra mäßige Wiederholung der Floskel „Wir wollen nicht zu viel verraten,“ scheint ihn nicht zu beunruhigen.
Dann geht es los. Wir gehen ein Stück am Fluss entlang. Die Spuren, des letzten Unwetters, die den Fluss deutlich über die Ufer haben treten lassen, sind unübersehbar. Vom Fluss aus geht es in den dichten Wald.
Sofort tauche ich wieder in die Bilder von Herr der Ringe ein. Frodo und die Gefährten verlassen die Kanus am Fluss und machen am Rand eines dichten Waldes eine Rast. Der Wald, in dem Boromir als einer der Gefährten einen qualvollen Tod sterben wird. Aber der Reihe nach.
Führt der Weg am Anfang noch über Treppen und Stiegen immer tiefer in den Wald, besteht das was sie in Österreich „Weg“ nennen, bald nur noch aus Wurzeln und Felsbrocken.



Gleichzeitig geht es steil bergauf. Die Steinbock Fraktion fliegt die Felsen hinauf. Da ich nach wie vor immer mal „IMA-Pausen,“ also „Ich muss Atmen“ Pausen, machen muss, bin ich relativ schnell allein. Allein in Mordor.
Die Parallelen zum Film sind unheimlich. Auch Boromir wurde von der Gruppe getrennt.

Die Wegebeschaffenheit wird immer anspruchsvoller. Jeder Schritt will gut geplant und mit höchster Aufmerksamkeit umgesetzt werden. Die Gefahr hier besteht somit nicht nur durch einen Ork Angriff, sondern auch durch schlichtes Abstürzen. Da ich fest entschlossen bin, den Orks meinen Kadaver nicht kampflos zu überlassen, versuche ich letzteres tunlichst zu vermeiden.
Dann ist plötzlich der krasse Teil des Aufstiegs geschafft. Es geht nur noch ertragbar bergauf und auch der Weg hat ein Einsehen. Ich treffe die Gefährten wieder, die sich wohl schon Sorgen um mich gemacht haben. Nachvollziehbar. Immerhin sind wir hier in Mordor.
Dann bringen wir noch einen kurzen Kletterpart über Eisenstiegen hinter uns. Dieser wird erforderlich, da vermutlich auch das letzte Unwetter die Brücke unpassierbar gemacht hat.
Und dann erreichen wir Bruchtal. Also zumindest erinnert mich die wunderschöne Hochebene stark an Herr der Ringe und das Reich der Elben. Hier ist es so schön, dass man die Strapazen des Aufstieges schnell vergisst. Ein malerischer Wasserfall rundet das Gesamtbild ab. Hier kann man es definitiv aushalten.




Wie bei Herr der Ringe endet hier aber die Reise nicht. Es geht weiter bergauf bis zum Gipfel des Schicksalberges.

Wie bei Herr der Ringe ist diese Aufgabe ja aber nur einzelnen übertragen. In Bezug auf unsere Wandergruppe sind das Mirco, Gisi und der Dritte. Ich bleibe bei den Elben, also sozusagen in Elrond‘s Haus.
Ob die drei Gefährten am Gipfel tatsächlich irgendeinen Ring in irgendeine Schlucht werfen, bleibt ungeklärt.
Auf dem Rückweg, also dem Abstieg, passt das Bild von Herr der Ringe dann plötzlich nicht mehr. Ein Rettungshubschrauber taucht auf.

Er fliegt so dicht an den Abhang, an dem ich gerade versuche nicht herunterzufallen, dass mir der aufgewirbelte Dreck in die Augen fliegt. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Ich fliehe wieder ein Stück bergauf.
Zugegebener Weise habe ich mir bei einer anstrengenden Wanderung schon mal vorgestellt, dass mich ein Hubschrauber rettet. Nachdem ich heute aber hautnah miterlebt habe, wie das Rettungsteam abgeseilt wird um einem älteren Mann, dem es wirklich nicht gut ging, zu retten, nehme ich Abstand von dieser Idee. Das war echt nicht lustig.
Ist „Herr der Ringe“ aber auch oft nicht. Trotzdem gibt es am Ende ein Happy End. Das wünsche ich dem älteren Herrn auch. Am Ende hat es also doch irgendwie etwas mit „Herr der Ringe“ und Mordor zu tun.