Eigentlich wollte ich keinen Blogbeitrag zum diesjährigen Borkumurlaub schreiben. Ich war ja schon sehr oft auf Borkum. Das erste Mal, als ich drei Jahre alt war. Damals mit meiner Mutter und meinem Bruder zur Mutter-Kind-Freizeit. Das wiederholte sich dann bis ich Teenager war. Dann (seit ich Onkel bin) durfte ich meine Schwägerin und meinen Bruder beim jährlichen Sommerurlaub begleiten. Natürlich auf meiner Lieblingsinsel „Borkum.“ Ich kenne mich somit auf Borkum besser aus als in Duisburg. Zusätzlich habe ich auch schon alle Highlights mehrfach gesehen. Mir fehlt somit die Fantasie, was hier noch in Bezug auf den Reiseblog Berichtenswertes passieren soll.
Jetzt hatte ich bei meiner Einschätzung allerdings die Menschen außer Acht gelassen. Sowohl die Mitreisenden, als auch die mir meist unbekannten Mitmenschen auf Borkum bieten einiges an, das Anlass für einen Blogbeitrag gibt. Diese Erkenntnis wurde mir allerdings erst zur Mitte des Urlaubs klar. Deshalb gibt es erstmals in der Geschichte von www.herrjensemann.de anstelle von Tagesberichten einen Ganzer-Urlaub-Bericht. Dieser konzentriert sich insbesondere auf die Begegnungen mit Menschen und vernachlässigt noch mehr als sonst die Beschreibung der besuchten Orte.
Dies ist keinesfalls eine Wertung der Sehenswürdigkeiten auf Borkum. Borkum ist absolut super und ich kann nur allen empfehlen sich ein eigenes Bild zu machen und Borkum zu besuchen.
Die Geschichten der Mitreisenden nehmen aber viel Raum ein. Mitreisende ist ein gutes Stichwort. Neben meinem Bruder Sascha, meiner Schwägerin Alex meiner Nichte Hannah (alle echte Borkum-Fans und -Experten in Personalunion) sind diesmal auch Samira (Freundin von Hannah) und Stefan (mein ewiger Kreuzfahrt- und mittlerweile auch Wander-Reisebegleiter) dabei. Zusätzlich gesellt sich Volker (ehemaliger Arbeitskollege von Sascha) auch immer mal zu unserer Gruppe.
Die Fotos sind von allen Mitreisenden dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt worden.
Und jetzt wünsche ich viel Spaß bei „Von Läufern und Säufern – Borkum 2024 die ganze Geschichte.“
Kapitel 1: Bierwanderung oder „Nie wieder Alkohol“
Der Urlaub beginnt mit den beiden Haupt-Tätigkeitsfeldern, die einen Borkum Urlaub ausmachen. Zumindest unserer Definition nach. Wandern (also Laufen) und Alkohol trinken (also Saufen).
Vor Jahren wurde diese Art des Urlaubs schon mal in Form von beidseitig bedruckten T-Shirts (mit dem Aufdruck „Laufen“ auf der Vorderseite und dem Aufdruck „Saufen“ auf der Rückseite) visualisiert.
Die in den letzten Jahren erfundene – und für gut befundene – „Bierwanderung“ verbindet beide Disziplinen perfekt. Die Idee ist einfach. Wir wandern von Kneipe zu Kneipe und trinken jeweils dort ein Bier. Klassischerweise ist die erste Etappe das Café Sturmeck. Hier muss man schon ein Stück hinlaufen, um sich das erste Bier zu „verdienen.“ Da wir aber bisher nur gefrühstückt haben, merke ich schon den ersten halben Liter. Weiter geht es zum Upholm-Hof. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass dieser geschlossen hat. Verschiedene Alternativen entpuppen sich auch als Reinfall, so dass wir einen nicht unerheblichen Umweg zurück ins Zentrum auf uns nehmen, um in einem Restaurant das zweite Kaltgetränk zu uns zu nehmen.
Jetzt rächt sich mein mangelndes Training in beiden Disziplinen. Körperlich bin ich echt unfitt. Das wurde mir beim Probetraining meiner neuen Volleyballtruppe sehr eindrücklich klar. Und auch beim Thema Kaltgetränke habe ich in meiner Erinnerung schon mal mehr vertragen. Nach dem zweiten Bier habe ich schon einige Lampen an. Nach dem Dritten bei Strand 5 bin ich soweit, dass ich die Polonäse anführen könnte.
Auch Nahrungsaufnahme hilft mir nicht so richtig, so dass ich am Abend den Mitreisenden verkünde, dass ich nie wieder Alkohol trinken werde. „Nie Wieder“ ist ein echt langer Zeitraum, der bei mir bis zum drauf folgenden Abend anhält.
Kapitel 2: Juist in time
Wie bereits erwähnt, war ich schon wirklich oft auf Borkum. In all den Urlauben ist es mir noch nie gelungen, Borkums Nachbarinsel Juist zu besuchen. In diesem Urlaub haben wir einen Tagesausflug gebucht, um dies zu ändern. Zwar soll der Ausflug bereits um kurz nach 7 Uhr losgehen und bedarf somit eines mir ungeliebten frühen Aufstehens, aber das nehmen wir in Kauf. Wir wollen nach Juist. Einen Tag vor dem geplanten Ausflug und somit noch sozusagen „Juist in time,“ erhält Sascha den Anruf. Unser Ausflug ist gecancelt. Wieder kein Juist. Echt Schade.
Anstelle dessen machen wir die von meinem Vater erfundene und mittlerweile zur Tradition gewordene Wasserkanten-Wanderung, die uns zumindest teilweise über den ausgefallen Ausflug hinwegtröstet.
Kapitel 3: Warum Bildung hilft
Heute sind Hannah, Samira, Stefan und ich unterwegs. Unser Ziel ist das Heimatmuseum. Dieses ist zwar klein, aber dafür liebevoll eingerichtet und durchaus interessant. Neben der Geschichte Borkums geht es auch um die heimische Tierwelt. Highlight ist sicherlich das komplette Skelett eines riesigen Pottwals.
Hannah und Samira sind durchaus interessiert und das obwohl sie sich während Ihrer Ferien – freiwillig – in einem Museum befinden. Ich finde das durchaus bemerkenswert und es gibt im Kontrast zu dem anschließend Erlebten durchaus Hoffnung. Aber der Reihe nach.
Nach dem Museumsbesuch gehen wir gemeinsam Pizza essen. Von meinem Platz aus beobachte ich zufällig drei ca. 12 bis 14 Jahre alte Mädchen, die mit Fahrrädern vorfahren. Da sie Reiterhosen tragen, vermute ich, dass sie eine Verbindung zum Reitsport haben, wobei dieses Detail für den weiteren Verlauf der Ereignisse keine Rolle spielt.
Sie holen eine 50 cm große Pizza ab. Die schiere Größe des Pizza-Kartons fasziniert mich. Dieser ist logischer Weise ein bisschen mehr als 50 cm breit. Umso überraschter bin ich, als ich beobachte wie die Mädchen jetzt versuchen den Karton in dem kleinen (ich schätze maximal 30 cm breiten) Fahrrad-Korb unterzubringen. Ihre Überraschung, dass das nicht passt, überrascht mich wiederum. Als Nächstes versuchen sie den Karton hochkant in den Fahrradkorb zu stecken. Davon unabhängig, dass diese Lagerungsform für den Zustand der Pizza nicht optimal ist, geht das aufgrund des quadratischen Kartons natürlich auch nicht. Ratlosigkeit macht sich breit.
Dann scheint eines der Mädchen eine Idee zu haben. Sie kommt erneut in die Pizzeria und bittet explizit um eine kleine Tüte, die sie auch erhält.
Als sie dann allerdings versucht den riesigen Karton in die Minitüte zu stecken, verliere ich den Glauben an unser Bildungssystem.
Kapitel 4: Borkum-Marathon und Schwimmenin der Nordsee im Oktober
Stefan ist ja bekannt dafür, dass er verrückte Dinge tut. Letztes Jahr hat er auf Borkum die gesamte Insel umwandert. Dieses Jahr plant er die gesamte Insel joggend zu umrunden. Also 36 Kilometer. Da das ja aber irgendwie noch nicht verrückt genug ist, legt er natürlich noch 7 Kilometer drauf. Die gelaufenen 43 Kilometer umfassen somit mehr als die Marathon-Distanz. Stefan ist somit der erste mir bekannte Borkum-Marathoni. Auf der von mir erfundenen „Stefan macht verrückte Dinge“-Skala eine klare 8 von 10.
Dass er am nächsten Tag an der acht Kilometer langen und von Alex initiierten „Fliegenpilz-Suchaktion“ mitläuft, versteht sich von selbst.
Auch hier nimmt er noch kleine Extrawege mit, wenn sich eine Buhne zum Erkunden anbietet.
Die Krönung sollte aber das Schwimmen in der Nordsee sein. Wir haben Oktober und die Außentemperaturen liegen zwischen 11 und 15 Grad. Bei Wind liegt die gefühlte Temperatur locker zehn Grad darunter. Trotzdem zieht Stefan seine Idee in der Nordsee schwimmen zu gehen durch.
Kapitel 5: Von Läufern und Säufern
So geht der Urlaub nach einer tollen Woche viel zu früh zu Ende. Es wurde viel gelaufen und es wurde auch viel… (ach ihr wisst schon). Borkum ist ein Fest und da es hier ja bekanntlich die schönsten Sonnenuntergänge gibt, endet der Reisebericht auch mit einem solchen.
Rückblick. Wir schreiben das Jahr 2019. Stefan und ich steigen nach einer sehr schönen Kreuzfahrt in Südostasien in die A380 von Emirates, die uns zurück nach Düsseldorf bringen wird.
Auf dem Flug planen wir schon unsere nächste Kreuzfahrt. Im Jahr 2020 soll es die Madagaskar, Mauritius, La Réunion und Seychellen-Tour werden. So war der Plan.
Dann wurde die Welt eine andere und die Prioritäten veränderten sich. Anstelle von einer Kreuzfahrt wurde der Vorrat an Toilettenpapier geplant. Und obwohl wir schon Urlaub für die Tour abgestimmt hatten, fiel die Tour -wie so vieles anderes auch- Corona zum Opfer.
Heute fliegen Stefan und ich wieder mit Emirates. Diesmal ist es zwar eine Boeing 777-300 und keine A380. Aber egal. Das alte und jetzt wieder neue Ziel sind die Seychellen. Dort starten wir die eigentlich schon für 2020 geplante Tour.
Die Vorfreude ist somit groß, als wir am Schalter von Emirates einchecken. Das wir nicht zusammen sitzen, erscheint mir zu diesem Zeitpunkt kein Problem. Ich sollte eines besseren belehrt werden. Aber der Reihe nach.
An meinem Platz angekommen muss ich feststellen, dass mein Sitznachbar zur rechten in Sachen Körperumfang gut für die Rolle des Obelix geeignet wäre. Als dann kurz nach dem Start die sehr nette Frau links von mir Ihren Platz tauscht, um bei Ihren Freunden zu sitzen, spitzt sich meine Situation zu. Der Mann der sich jetzt neben mich quetscht, steht meinem Obelix Sitznachbarn in nichts nach. Jetzt bin ich nun wirklich nicht schlank und darf allein deshalb nicht über dicke Menschen urteilen. Aber gegen die beiden Exemplare bin ich ein zartes Reh. Ich fühle mich wie in einem Sandwich mit den Wildecker Herzbuben an beiden Seiten.
Mein Platzangebot ist also extrem überschaubar, was Essen und Trinken zu einer Herausforderung macht. So kommt es, dass der komplette O-Saft auf meiner Hose landet. Neben dem wirklich unangenehmen nassen klebrigen Gefühl, sieht es jetzt auch so aus, als hätte ich mir in die Hose gepinkelt.
Das Umsteigen am Flughafen in Dubai nutze ich deshalb, um mir eine sehr teure neue Hose zu kaufen.
Wieder trocken und wieder im Flugzeug, sind Stefan und ich es diesmal die Plätze tauschen um zusammen zu sitzen. Der zweite Flug verläuft -vielleicht auch deshalb- ohne Probleme und wird mit einem sehr schönen Sonnenaufgang über den Wolken versüßt.
Gleich geht es aufs Schiff und morgen startet dann unsere seit 2019 geplante und jetzt endlich gestartete Tour. Ich werde in gewohnter Manier auf www.herrjensemann.de darüber berichten.
Gestern habe ich seit Ewigkeiten nur 2 Stunden geschlafen. Die Ewigkeiten sind solange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Anders als mein Neffe und meine Nichte, die diesen Zustand im Grunde wöchentlich und das macht es nicht besser-freiwillig- herbeiführen (An dieser Stelle schöne Grüße und ich habe nach der Erfahrung, absolut kein Verständnis dafür!) bin ich das echt nicht gewöhnt. Ursache für den Schlafmangel ist der lange Flug. Da ich im Sitzen nicht schlafen kann und ein Ticket im Businessbereich nicht zu bezahlen ist, habe ich -hoffentlich- zusammen mit dem Piloten nicht geschlafen.
Da uns beim Einchecken auf dem Schiff eröffnet wird, dass unsere Kabine noch nicht bezugsfertig ist, buchen wir uns eine Liege im Spa-Bereich. Da diese nur für 2 Stunden verfügbar ist, werden es zwei Stunden Schlaf.
Auf dem Foto ist übrigens auch die neue Hose zu sehen.
Nachdem Stefan und ich den Urlaub dann noch standesgemäß mit einem Eistee begonnen haben, gehen wir früh schlafen.
Gott sei Dank ist heute Seetag und wir haben eigentlich keine festen Termine.
Uneigentlich habe ich allerdings die „Stefan und Jens-Seetag-Challenge“ erfunden und wie der Name schon verrät, findet diese immer an Seetagen statt. Die Idee ist einfach: An jeden Seetag gibt es eine Challenge. Die einzelnen Disziplinen werden abwechselnd von Stefan und mir geplant.
Heute geht es um Basketball. Aufgrund der 30 Grad, gepaart mit über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, beschränken wir uns auf Freiwürfe. Stefan läuft sich trotzdem 10 km auf dem Oberdeck warm. Finde ich ein bisschen übertrieben, aber ok. Vielleicht ist der Zusammenhang aber auch, dass er Mitte April seinen ersten Marathon laufen will.
Die Idee mit der Challenge ist auf der letzten Kreuzfahrt in Mittelamerika entstanden, als mein bester Freund Daniel und seine Frau Martina für uns eine Schiffs-Schnitzeljagd organisiert hatten. Das war sehr cool, war aber diesmal nicht wiederholbar, da Daniel und Martina diesmal nicht zwei Wochen vor uns dieselbe Tour gemacht haben. Deshalb also diesmal anstelle dessen die Challenge.
Die Challenge beginnt also. Stefan gibt an und geht die Herausforderung Oberkörperfrei an. Vielleicht auch davon irritiert, und von dem starken Wind sicherlich benachteiligt, muss ich mich nach 5 Freiwürfen Stefan geschlagen geben. Es steht somit 1-0 für Stefan.
Trotzdem gefällt mir die Challenge. Etwas Neues im Seetag-Alltag. Überhaupt sind wir auf zu neuen Ufern. Unser nächstes Ziel ist Madagaskar. Da war ich noch nie und selbst für den Weltreise erfahrenen Stefan wird es etwas Neues. Also ein neues Ufer.
Mein Chef hat mir kürzlich ein Buch des Schriftstellers Walle Sayer geschenkt. Dort gibt es auch einen Text mit dem Titel „Ufer.“ Um das Niveau dieses Reiseblogs um Welten zu steigern, möchte ich diesen nicht vorenthalten.
Was ich damit verbinde, behalte ich aber für mich.
Jetzt freue ich mich auf das neue Ufer Madagaskar.
Ich habe mir vor dieser Reise vergleichsweise viele Gedanken beim Packen gemacht. Welche Klamotten im Allgemeinen, welche für bestimmte Aktivitäten, wird Sport eine der Aktivitäten, welche Schuhe sind somit sinnvoll, braucht es die Wanderausrüstung, und wenn ja, in welcher Ausprägung. Trotz der vielen Gedanken habe ich kurz bevor mein Vater Stefan und mich zum Flughafen gebracht hat (Danke dafür übrigens) den Koffer nochmal umgepackt um wasserdichte (aber keine hohen Wanderschuhe) einzupacken. Ein kluger Schachzug, wie sich heute zeigen sollte.
Wir haben heute einen AIDA Ausflug gebucht. Mit dem Geländeweg und zu Fuß zum Amber Mountain Nationalpark. Der Geländewagen ist ein Pick up, den wir mit einem Ehepaar aus Bayern (wir haben nicht gefragt, wo sie herkommen, aber der starke bayerische Akzent spricht für sich), teilen.
Unserer Fahrer spricht kein Wort Englisch oder Deutsch. Kommunikation fällt somit aus. Dafür kann er Autofahren. Auf den (was sie auf Madagaskar Straße nennen) kennt er sich offensichtlich gut aus. Konkret bedeutet das: Er kennt die Schlaglöcher, und davon gibt es sehr viele. Und sie sind so tief, dass auch unserer riesiger Pick up manchmal aufsetzt. Aber unser Fahrer kennt die allermeisten und rast darauf zu, um kurz vorher im Stil eines Rallye Rennfahrers zu bremsen und nach dem Schlagloch wieder maximal zu beschleunigen.
Desto näher wir dem Regenwald kommen, desto mehr regnet es. Für die rudimentären Reste dessen, was früher mal eine Straße gewesen sein könnte, ist das keine gute Nachricht. Ab sofort verwandelt sich die Strecke in eine Schlamlawine. Das hält unseren Fahrer nicht auf. Allerdings hat sich einige Autos vor uns ein nicht Allrad Fahrzeug fest gefahren. Das hält uns insgesamt schon auf.
Nach über zwei Stunden im Geländewagen (übrigens ohne Klimaanlage und wegen des Regens oft mit geschlossenen Fenstern bei 30 Grad) kommen wir endlich im Nationalpark an.
Hier zeigt sich sehr schnell, dass meine Schuh-Auswahl sehr hilfreich ist. Die Bayern und Stefan sind mit nicht wasserdichten Turnschuhen an den Start gegangen und haben bei den mit Pfützen, die an Seen erinnern, durchzogenen schlammigen Pfaden durchaus Ihre Probleme.
Die Rahmenbedingungen sind also -sagen wir mal- herausfordernd. Das ist mir aber egal. Ich bin im Regenwald auf Madagaskar. Super cool. Unser -immerhin Englisch sprechender- Guide zeigt uns viele Tiere und Pflanzen, die es nur hier auf Madagaskar gibt. Ich bin fasziniert.
Mir ist auch egal, dass ich mit Hut und Hemd wie Dr. Bob von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ aussehe.
Als Zugabe gibt es einen coolen und heiligen Wasserfall, an dem die Einheimischen wohl auch beten.
Als sich uns dann am Ende noch die Lemuren zeigen, bin ich im siebten Himmel. Die Madagaskar Expedition von Dr. Bob ist ein voller Erfolg.
2. Tag Madagaskar, 2. Tag Regenwald. Diesmal zeigen sich die Lemuren direkt zu Beginn.
Heute sehen wir auch die Mausmakis, die man eher selten zu Gesicht bekommt, da sie stark bedroht und somit selten sind.
Eine ausgewachsene Boa constrictor rundet, das Naturerlebnis ab. Was die Highlights angeht, steht der zweite Tag, dem ersten somit in Nichts nach.
Trotzdem werden es nicht die Makis und auch nicht die Boa sein, die diesen Tag unvergesslich machen.
Bevor wir nämlich in den Regenwald starten, müssen wir erstmal mit traditionellen Holzbooten auf eine kleine Landzunge, die nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist. Die Ausflugsbeschreibung von AIDA weist uns daraufhin, dass das Ein- und Aussteigen in diese Boote in bis zu hüfthohen Wasser erfolgt. Diese Information führt bei Stefan und mir zu unerwarteten Problemen beim Rucksack packen. Wir entscheiden uns jeweils für Wechselschuhe und Klamotten und werden alles brauchen.
Die Boote sind schmal, wie der Name „Holzboot“ schon sagt, bestehen sie aus Holz und haben vermutlich zur Stabilisation einen Ausleger. Beim Verteilen der Boote, weist man uns daraufhin, das unser Boot nur mit zwei Personen (und dem Bootsmann) belegt werden darf, obwohl augenscheinlich Platz für fünf Personen vorhanden ist. Retrospektiv betrachtet, hätte man an diesem Punkt misstrauisch werden können oder sollen. Sind wir aber nicht. So haben Stefan und ich ein Boot für uns allein.
Nach dem einsteigen im knietiefen Wasser, fällt mir ein oben abgeschnittener Kanister im Boot auf. Welche Funktion dieser hat, erfahre ich umgehend. Unser Boot ist nicht dicht! Und wir reden nicht von ein paar Tropfen, die nach innen eindringen, sondern von „Meine Fresse-läuft da viel Wasser rein.“ Der abgeschnittene Kanister ist folgerichtig dazu da, andauernd Wasser aus dem Boot zu schöpfen. Da Stefan vorne sitzt und durch die höhere Lage dort nicht an das Wasser im Boot ran kommt, ist das schöpfen meine Aufgabe. Ich schöpfe also um unser Leben. Trotzdem steigt der Pegel.
Alle, die diesen Blog und die gemeinsamen Reisen mit Stefan verfolgt haben, wissen, dass ein hoher Pegel bei uns meistens etwas mit Alkohol zu tun hat.
Heute sieht das anders aus.
Ab ungefähr der Mitte der Strecke habe ich aber einen Rhytmus beim schöpfen gefunden, der dazu führt, dass der Pegel nicht weiter steigt.
So kommen wir -nicht trocken- aber immerhin überhaupt an.
Auf dem Rückweg überlasse ich Stefan das Wasser schöpfen. Der ergiebige Regenschauer, der sich auf der Rückfahrt ergießt, macht den Job nicht einfacher. Stefan ist ja aber bekanntlich topfit und erhöht die Schöpf-Geschwindigkeit. So kommen wir -wieder nicht trocken- aber sicher zurück.
Der heutige Seetag besänftigt Stefan. Gestern war er unzufrieden. Insbesondere mit dem Sand und dem Schlamm, der unsere Schuhe und Hosen bedeckt hat, ist er nicht glücklich. Ich deute zumindest seinen Gesichtsausdruck so. Aber heute ist Seetag. Und Stefan ist einer der wenigen AIDA Touristen, die Seetage im Grunde mehr mögen als Hafentage. Die Gründe liegen nach meiner Beobachtung insbesondere in der Möglichkeit ungestört von Landgängen den ganzen Tag zu essen. Frühstück (Spiegeleier auf Brot, Schinken, Bratwürste, gebratene Champignons, Lachs, ein Klops und eine Schale mit Bircher Müsli und Obst), Mittagessen (große Portion Hühnerbrust mit Spätzle und Apfelkompott mit Eis als Nachtisch) dann Kuchen (Pina Colda Kuchen) und dann Abendessen. Hier dürfen es gerne mehrere Gerichte in unterschiedlichen Restaurants sein. Heute ist es ein voller Teller im Bella Donna Restaurant und ein voller Teller im Marktrestaurant.
Ich sehe zwar im Gegensatz zu Stefan aus, als hätte ich ähnlich viel gegessen, so ist es aber nicht.
Die heutige „Stefan und Jens Seetag Challenge“ hat Stefan ausgesucht. Wir sind im Casino. Bei der Challenge geht es um den „Schlüssel-Automat.“
Das Prinzip ist einfach. Durch entsprechende Knöpfe, kann man den Schlüssel entsprechend positionieren. Wenn er in das Schloss passt, gewinnt man 100, 200 oder 500 EUR. Bei unserer Challenge hat jeder fünf Versuche. Wer öfter das Schloss trifft, hat gewonnen. Also die Challenge und somit Ruhm und Ehre. Wer spielt schon um Geld…
Wie sich schnell herausstellt, ist das mit dem Schlüssel und dem Schloss gar nicht so einfach. Obwohl es bei Stefan und auch bei mir zweimal sehr knapp ist, gelingt es uns nicht den Schlüssel im Schloss unterzubringen. Die Challenge endet somit unentschieden und jeder erhält einen halben Punkt. Es steht somit 1,5 zu 0,5 für Stefan.
Den zweiten Teil des Tages nutzen wir für Sport. Stefan macht einen Workshop mit dem Titel „Faszination Faszien.“ Offensichtlich hat er etwas falsch gemacht, denn so wirklich fasziniert ist er hinterher nicht, eher fertig (Seine Worte).
Und ich fahre die Stunde Fahrrad.
Stefan ist heute morgen um 06:00 Uhr (!) allerdings auch schon wieder 10 Kilometer gelaufen. Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht.