Die heutige Etappe (Ja. Ich wandere mit!) beginnt früh. Sascha und ich müssen schließlich sein Auto (welches ja noch am Startpunkt steht) zu unserem Zielpunkt versetzen. Wir erkunden die Eifel somit in einer 1 1/2 stündigen Rundfahrt und haben jetzt eigentlich ja schon ganz viel von der Eifel gesehen. Ist ja gut. War ein Scherz: Ich wandere heute mit!

Die Wanderung beginnt mit einem schönen Blick auf die Niederburg.

Dann geht es in den Busch. Nicht in den südafrikanischen, aus dem uns bei der letzten Kreuzfahrt ein Elefantenjungbulle in bester Jurassic Park Manier durch sein plötzliches Erscheinen erschreckt hat. Man hatte ihn schon eine ganze Weile gehört, sich dann als er sich gezeigt hat, trotzdem ganz ordentlich erschreckt.

Heute bin ich der Elefant, als ich mich durch das Dickicht schlage. Der Weg ist nämlich im ersten Drittel stark zugewachsen. Zusätzlich ist der Weg echt schmal und links geht es ein ganzes Stück runter. Wie tief man da fallen würde ist schwer zu sagen, da der Weg ja total zugewachsen ist. Als weitere Herausforderung besteht dieses Problem auch auf Augenhöhe. Die Challenge ist also, den schmalen Weg mit den eigenen Füßen zu treffen, die Wanderstöcke auf stabilem Untergrund abzusetzen und zu verhindern, dass man die Dornenäste ins Auge bekommt. Gelingt mir nur bedingt. Also das mit den Füßen den Weg zu treffen. Gott sei Dank bin ich nicht tief gefallen, was mich aber nicht davon abhält, lauthals zu fluchen. Für die Gefährten ist es also wie bei dem Elefanten. Sie hören mich und sind aber scheinbar trotzdem überrascht, als ich aus dem Busch wieder auftauche.

Im zweiten Drittel der Strecke informiert mich Lars gerade darüber, wie sehr er die Stille hier genießt, als eben diese Stille durch ohrenbetäubenden Lärm eines riesigen Militärflugzeugs durchbrochen wird.

Ob es sich dabei um eine deutsche, amerikanische oder eine ganz andere Maschine handelt, ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Christian mutmaßt aus praktischen Gründen eine amerikanische Maschine, da sie ja fliegt.

Das Flugzeug lässt meine Gedanken zu den verschiedenen Kriegen auf dieser Welt schweifen, was meine Laune auch trübt.

Lars scheint ähnliches zu fühlen und umarmt als Stille Geste des Friedens spontan einen Baum. Das sieht echt lustig aus und hebt meine Laune wieder.

Die Etappe geht nach knapp zwanzig Kilometern am Kloster Himmenrod zu Ende. Heute übernachten wir auch im Kloster. Die Zimmer sind sehr einfach und Bademöglichkeiten gibt es auf dem Flur. Duschen ist aufgrund der nicht vorhandenen Raumhöhe nicht möglich.

Der Besuch der Abtei-Kirche versöhnt mich vollends. Die Stille in der riesigen (fast leeren) Kirche löst bei mir ein Gefühl von innerem Frieden aus und lässt mich meine schmerzenden Füße vergessen.

Zum Abschluss des Tages suchen wir das WLAN-Passwort für das vorhandene Gäste-WLAN des Klosters. Um diese (auch für die Übertragung des Fußball Länderspiels USA-Deutschland) wichtige Frage zu klären, frage ich Pater Stephan im Büro. Im Kloster gibt es nämlich scheinbar keinen Fernseher.

Pater Stephan kann aber mit Begriffen wie WLAN oder Internet scheinbar nichts anfangen. Er schaut mich mit großen Augen an. Ich ziehe meine Frage somit zurück und verzichte – im Tausch mit dem friedlichen Gefühl – auf so weltliche Probleme wie ein Fußballspiel.